Die erste Woche in Peru

Oh wow, die letzte Woche ist soooo viel passiert und alle neuen Details bekomme ich wahrscheinlich gar nicht mehr zusammen. Also am Dienstag ging es auf jeden Fall erstmal los zu meinem ersten Tag in der Schule. Das heißt um 7 aufstehen, ein schnelles Frühstück mit Brötchen und Marmelade essen, sich fertig machen und die wichtigsten Sachen einpacken, dann geht es in die Taxis. Wir waren zu zehnt in einem größeren Kombi mit acht Sitzen und haben auf unserem Weg noch vier Kinder eingesammelt, die zu weit von der Schule weg wohnen, um zu laufen. Für eine Fahrt zahlt man 1,50 Soles (ca. 50 Cent) und die Fahrt hat mir schon sehr viel von der Gegend gezeigt. Müll liegt überall am Straßenrand, die Häuser sind nur halb fertig gebaut und die Straßen sind größtenteils aus Sand und mit vielen Schlaglöchern und allgemein ist es sehr trocken. In der Schule angekommen, wurde dann erstmal gewartet, bis der Großteil (und das waren lange nicht alle Kinder) da war und dann ging der Unterricht los. Ich bin in einer Klasse mit zwei bis drei anderen Freiwilligen und wir unterrichten fünft und sechst Klässler und Schüler der Oberstufe alle zusammen. Das ist ziemlich schwierig, weil der Großteil nicht zuhört, wir keine wirklichen Respektpersonen für die sind und alle auf unterschiedlichen Levels arbeiten. Es gibt dann auch Kinder aus der 5. Klasse, die besser als alle anderen sind. Wir Freiwilligen bereiten am Abend vorher vor, was wir machen wollen. Es gibt die Fächer Mathematik, Englisch, Kommunikation, Kunst, Musik, Geografie, sozialer Umgang, Naturwissenschaft… und es gibt ein paar Schulbücher, die wir als Inspiration und Hilfe nutzen können, aber ansonsten müssen wir kreativ werden, uns ausdenken, was wir machen wollen und haben aber wiederum sehr viele Freiheiten. Nach einer Frühstückspause, wo es ein Drittel Brötchen mit Marmelade für jeden gibt, die wir beim Frühstück schmieren, geht es wieder in den Unterricht bis 12:30. Dann geht es für die Kinder nach Hause, wobei sie manchmal noch zu einer Formation antreten müssen, die aber überhaupt nicht sauber ausgeführt wird und das auch niemanden stört. Für uns geht es mit dem Taxi zurück zur Unterkunft und das Mittagessen steht schon auf dem Tisch.

Eigentlich ist das Projekt nicht als richtige Schule gedacht, da sie erkennen, dass wir Freiwilligen keine ausgebildeten Lehrer sind und damit keine richtige Schule ersetzen können. Die Organisation hat eigentlich als Ziel allen Kindern im Projekt, welche alle aus einem ärmsten Viertel Perus kommen, ermöglichen, zur Schule zu gehen. Es heißt eigentlich, dass die öffentlichen Schulen in Peru kostenlos sind, aber es fallen rund 30€ pro Monat an Gebühren für die Einschreibung, viele Uniformen, Materialien, Geburtstage der Lehrer (ja, wirklich und total bescheuert!) an und das können die meisten Familien nicht selber zahlen. Also kümmert sich Hilo Rojo (roter Faden) darum, das Geld für die Kinder zusammen zu bekommen und denen, für die es nicht reicht vormittags einen Ersatz zur richtigen Schule anzubieten. Das reicht natürlich nicht, aber ist besser als gar nichts. Meistens ist nachmittags dann Nachhilfe angesagt. Jetzt sind aber gerade Ferien und deshalb kommen alle Kinder mehr oder weniger regelmäßig vormittags zur Schule, wodurch die Klassen super voll sind.

Nachmittags war dann immer was los. Am Dienstag war ich mit Florence in der Stadt und hab mir das Zentrum von Trujillo angeguckt, das ganz hübsch ist.

Beim anderen Projekt von Hilo Rojo, genannt Punto Rojo (roter Punkt) wird den Müttern der Kinder geholfen, aus Plastiktüten große Taschen zu häkeln. An dem Tag waren aber leider nur 3 Frauen da, die alle nicht so große Lust auf das Projekt hatten, was den ganzen Einsatz unsererseits etwas unnötig macht, aber gut, vielleicht wird es in der Zukunft ja noch was. Donnerstag habe ich mit Molly zusammen angefangen, das Musikprojekt für diese Woche zu planen, bei dem wir den Refrain von ABC von Jackson 5 mit Gesang, Ukulele, Flöte und unterschiedlich Rhythmen einüben wollen. Freitag sind wir das erste Mal an den Strandort Huanchaco ca 30 Minuten von dem Haus entfernt gefahren, waren in den ordentlichen Wellen baden und haben den wunderschönen Sonnenuntergang genossen. Abends ist ein Großteil der Leute noch Karaokesingen und Tanzen gegangen, aber ich bin zuhause geblieben. Am Freitag haben wir mit unserer Klasse nämlich draußen Fußball gespielt, ich dachte es wäre eine gute Idee wegen des Rennens meine FlipFlops auszuziehen und hab mir meine Füße verbrannt, sodass ich danach Blasen an den Fußsohlen hatte und es beim Auftreten jedes Mal voll wehgetan hat. Tanzen wäre da nicht so das Beste gewesen. Abends saß ich dann mit Florence und einem sehr verrückten und lustigen Engländer auf der Dachterrasse, die super schön ist.

Am Samstag war ich mit Florence bei den Huacas de la Luna y del Sol, das sind zwei Tempel der Moche, einem Volk vor den Inkern, das 100 bis 800 nach Christus in der Region um Trujillo gelebt hat. Das Museum mit den ganzen verschiedenen Tonkrügen war schon interessant und die richtigen Tempel waren dann noch beeindruckender. Wir könnten leider nur in den Huaca del Sol gehen, der zur damaligen Zeit der Tempel der Götter war im Gegensatz zum gegenüberliegenden Tempel der Politik (Art Regierungsgebäude). Die ganze Anlage ist über die Jahrtausende unter Sand begraben worden und deshalb ist nicht alles freigelegt. Den Kampfplatz mit dem Felsen der Opferung des Verlierers an den Gott, die unterschiedlich bunt bemalten Wände, die Rampen und Schauplätze könnte man aber sehr gut bestaunen und mit einer Führerin, haben wir auch alles sehr gut verstanden.

Bei der Tour haben wir noch einen Chilenen kennengelernt, mit dem wir danach noch mit einem kleinen, sehr vollen Bus in die Stadt gefahren sind und dort Mittag gegessen haben. Das Brot war zur Abwechslung mal richtig kross und ich habe es voll genossen.

Am Sonntag sind wir mit ein paar anderen Freiwilligen zuerst auf den Markt gegangen, um unser Mittagessen bestehend aus Brot, Avocado, Tomate, Erdnüssen und Melone für ungefähr 3€ für 6 Leute zu holen. Auf dem Markt waren wir die einzigen Gringos (und ja, so wird man hier die ganze Zeit genannt), was mir das Gefühl gegeben hat auf einem ursprünglichen, “echten” peruanischen Markt zu sein, auf dem kein Touri-Nippes verkauft wird. Überall gibt es was zu sehen, von einem Gang voller Bananen über aufgeschnittene Schafe, Hühner, riesige Obstanhäufungen mit den besten Früchten überhaupt bis hin zu Läden voller Plastikbehälter oder Spielzeug.

Sam aus Irland achtet sehr auf Recycling, was mich auch dazu gebracht hat, möglichst wenig Plastik und allgemein Müll zu verbrauchen und alles bestmöglich wiederzuverwenden. Hier bekommt man halt auch direkt mit, das der Müll nicht nur überall rumliegt, sondern dann auch verbrannt wird. Nach dem Markt sind wir mit dem Bus nach Huanchaco zum Surfen gefahren. Ich wusste, dass Franzi, die wir bei den Iguazúwasserfällen und dann nochmal in Córdoba getroffen haben und hab sie dann zufällig in den Wellen gesehen und kurz gequatscht bis sie wieder zum Surflehrer musste. Abgesehen von der Mittagspause und zwei kleinen Erholungspausen zwischendurch habe ich den ganzen Tag auch richtig genutzt. Es war anstrengend, weil die Strömung relativ stark war, und man deshalb die ganze Zeit wieder am Strand zurückgehen musste, aber es hat sich absolut gelohnt. Ich stand ein paar Mal ganz gut auf dem Board und die letzte Welle, als der Himmel durch den Sonnenuntergang schon gelb leuchtete, hat mich dann ganz an den Strand gebracht und ich war vollkommen zufrieden mit dem Tag. Nachdem wir dann noch einen vegetarischen Burger zum Abendessen hatten, der super lecker mit Ei und Käse war, sind wir mit dem Taxi zurück, hatten noch eine Besprechung mit allen für die kommende Woche und danach bin ich ins Bett gefallen.